Wie lese ich die Bibel?

Einige Fakten zur Bibel

Die Bibel ist eine Bibliothek und kein Buch

Die Bibel hat mehr mit einer Bibliothek gemeinsam als mit einem Buch, oder einer Buchserie. Sie ist eine Sammlung aus 66 verschiedenen Büchern, die von unterschiedlichen Verfassern, über eine Zeitspanne von 1500 Jahren geschrieben worden ist. In der Bibel finden wir Geschichtsaufzeichnungen, Erzählungen, Poesie und Lieder, Briefe und Berichte aus dem Leben von Jesus.

Die Bibel ist nicht in zeitlicher Reihenfolge zusammengefasst

Obwohl die Bibel mit dem Entstehen der Erde und des Menschen beginnt, und mit dem Ende der Erde und der Enthüllung des Himmels endet, ist sie nicht zeitlich, sondern nach Kategorien geordnet. Gesetzesbücher, Geschichtsbücher, Poesie-, Lieder-, Weisheitsbücher sind aneinandergereiht. Ebenso die vier Berichte von Jesu Leben und Wirken und danach die Briefe des neuen Testaments.

Die Bibel wurde in einer anderen Zeit geschrieben

Es ist hilfreich, sich immer wieder in Erinnerung zu rufen, dass die Bibel in einer vergangenen Zeit und einer für uns meist fremden Kultur geschrieben wurde. Damals war Sklaverei normal, Frauen und Sklaven konnten wie Objekte und Handelswaren behandelt werden, Kriege wurden mit Schwert und Speer durchgeführt und Aberglaube an eine Vielzahl von Göttern, die über Glück, Gesundheit, Wetter und Wohlstand entschieden war Alltag. Weil die Bibel auch über eine lange Zeitspanne geschrieben wurde, kann es passieren, dass wir in einem Buch der Bibel von einem bevorstehenden Ereignis lesen und in einem anderen Buch, kurz darauf, auf das gleiche Ereignis schon zurückblicken.

Auch wenn die Kultur uns fremd vorkommt, können wir uns oft in den Geschichten und Menschen der Bibel wiedererkennen, weil der Mensch auch heute, immer noch mit denselben Problemen kämpft, wie vor 3500 Jahren. Auch heute spricht Gott, wenn wir es zulassen, in diese Situationen hinein, um den Menschen zu begegnen und helfen.

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Oft ist es nicht leicht, den Alltag hinter sich zu lassen und „abzuschalten“. Such dir einen ruhigen Platz in deinem Haus/deiner Wohnung und nimm dir Zeit, damit du dich ungestört konzentrieren kannst. Unser Leben heute ist so oft unterbrochen und voller Ablenkungen. Gott begegnet uns in der Bibel und will zu uns sprechen – oft über etwas das in unserem Herzen ist. Um seine Stimme deutlich zu hören, müssen wir lernen den Lärm der Umwelt auszublenden und uns auf Ihn konzentrieren zu können.

Praktische Tipps fürs Bibellesen:

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Ein Lied, ein Gebet, das Entzünden einer Kerze oder auch eine kurze Stille kann dabei helfen, Ruhe zu finden und sich innerlich auf den Text einzustellen. Wenn du bisher noch nie gebetet hast, kostet es dich vielleicht ein bisschen Überwindung. Sei trotzdem offen dafür und probiere es aus, es hört dir eh niemand zu, außer Gott selbst. Gebet ist Reden mit Gott und du darfst dabei wirklich alles sagen, was dir am Herzen liegt. Hier ist ein einfaches Gebet: „Danke Herr für diese Zeit. Danke, dass du da bist und mir jetzt die Augen öffnest für dein Wort und in mein Herz sprichst“. Mehr über Gebet findest du hier.

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Die Bibel ist nicht chronologisch geschrieben, und viele der ersten Bücher im Alten Testament sind Gesetzestexte. Auf die Bitte seiner Nachfolger, er möge ihnen Gott den Vater zeigen antwortet Jesus „Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen“. Die ersten vier Bücher des neuen Testaments zeigen einfach und deutlich wie Gott ist, in der Person Jesus. Das Markusevangelium ist ein guter Ort mit dem Lesen anzufangen.

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Nachdem du den Text gelesen hast, lass das Ganze mal sinken. Dann kann es hilfreich sein, den Text nochmals durchzugehen und dabei Stellen, die dich besonders ansprechen, die irritieren oder dir unverständlich sind, zu kennzeichnen. Stell dir Fragen zum Text. Was für einen Text habe ich vor mir. Lieder wollen Gefühle über Situationen ausdrücken – und sollen auch Gefühle in uns regen. Briefe sind mit einer Absicht an bestimmte Empfänger und für bestimmte Situationen geschrieben worden. Gesetzestexte sollen für ein geordnetes Leben in der Gesellschaft und deutliche Rahmen sorgen, sind aber unter anderen Umständen geschrieben. (Texte über Leihochen waren damals nötig, weil nicht jeder Geld hatte, ein eigenes Nutztier zu besitzen. Vom direkten Sinn sind sie heute inaktuell, weil die wenigsten von uns Ochsen brauchen. Aber übertragen haben sie noch viel zum Thema „Ausborgen“ zu sagen.)

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Wie kann man den Text am besten „hören“? Versuche, den Bibeltext nicht wie einen Zeitungsartikel zu überfliegen, sondern ihn laut zu lesen und sich dabei Zeit zu lassen. Dann wirst du auch merken, welche Wirkung der Klang der Worte haben kann! Hüpfe beim lesen nicht herum, sondern halte dich an ein Buch. Lies nicht nur einen oder zwei Sätze, sondern gern ein paar Absätze. Auf diese Weise kannst du dem Text-Fluss und dem Gedankengang des Verfassers besser folgen und behältst einen Überblick, um welches Thema es sich handelt. Auf diese Weise kannst du dich auch durch die einzelnen Bücher in der Bibel durcharbeiten.

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Versuch zu lesen und zu verstehen, was im Text steht und nicht, was du im Text finden willst. Manchmal passiert es, dass wir bei bekannten Aussagen der Bibel schon entschieden haben, was sie bedeuten. Wenn wir aber den Zusammenhang und den Kontext sehen und lesen, erkennen wir oft einen neuen Weg, den Text zu verstehen. Manchmal passiert es, dass wir Teile eines Textes nicht verstehen oder einordnen können. Das ist kein Problem und sollte dich nicht am Weiterlesen hindern. Lass Texte mit denen du dich schwer tust, stehen oder frag andere Christen um ihre Sicht. Wichtig ist, dass Gott zu dir durch die Texte, die du verstehst, sprechen will.

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Mach` es dir zur Gewohnheit, gemeinsam mit anderen Menschen die Bibel zu lesen. Oft helfen uns andere Sichtweisen von einem Text, mehr zu entdecken, als wir selbst sehen. Gemeinsames Bibellesen hilft zum einen, weil Texte dann in der Regel laut vorgelesen werden. Man liest sie also nicht nur selbst, sondern hört sie auch. Das allein trägt schon oft schon zu einem besseren Verständnis bei. Vielleicht werden verschiedene Bibelübersetzungen verwendet, dann klingt manches anders, vielleicht sogar verständlicher.
Zum anderen, weil verschiedene Sichtweisen und das Wissen und die Erfahrungen der anderen den eigenen Horizont erweitern. Texte gemeinsam anzuschauen und sich darüber auszutauschen, kann einen stark ermutigen und motivieren, sich auch an so manche schwer verständliche Passage heranzutrauen. 
Verbunden mit unserer Gemeinde, gibt es im Pongau und Pinzgau ein breites Angebot an Hauskreisen, vielleicht findest du etwas passendes für dich. Du bist auf jeden Fall überall herzlich willkommen. Hier findest du einen Überblick.

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Gib´ nicht auf! Erwarte nicht, dass alles auf Anhieb Sinn macht, oder dass du jeden Tag ein Horoskop für den Tag bekommen wirst. Manchmal werden Texte erst bei längerem Nachdenken bzw. nach einiger Zeit, deutlich und aktuell. Bibellesen bis einem der Kopf brummt, ist sicher der falsche Weg. Die Bibel zu lesen, soll eine Begegnung zwischen mir und Gott sein und Lust auf mehr machen. Gemeinschaft mit anderen Christen ist hier auch sehr hilfreich. Ebenso ist eine Routine gut, weil Bibellesen nicht immer „Spaß“ macht oder (im Vergleich zu Sozialen Medien) „spannend“ ist.